Der Standort eines Servers ist eine Betriebsentscheidung, keine bloße Adressfrage. Ein eigener Serverraum, österreichisches Housing und eine Hyperscaler-Region können denselben Geschäftsdienst tragen. Unterschiedlich sind, wer Gebäude, Strom, Kühlung, Netz, Hardware und Zugriffe betreibt, wie sich Kosten verändern und welcher Rückweg nach einem Ausfall bereitsteht. Ein Rechenzentrum in Österreich kann eine konkrete Kundenanforderung erfüllen; aus der DSGVO folgt daraus keine allgemeine Pflicht, sämtliche Unternehmensdaten in Österreich zu speichern.
Der DAXS-Überblick zu Betriebsmodellen erklärt Cloud, On-Premises und Hybrid. Der Beitrag zu handlungsfähigen Monitoring-Alarmen betrifft die Reaktion. Hier geht es um die Standortwahl für denselben fiktiven ERP-Dienst mit offener Kostenrechnung. Die Zahlen sind frei gewählte Nettoannahmen, keine DAXS-Angebote und keine Preise eines namentlich genannten Betreibers.
Erst die technische Aufgabe gleich setzen
Das fiktive Unternehmen betreibt eine kleine ERP-Landschaft aus zwei virtuellen Maschinen mit zusammen acht virtuellen Kernen, 32 GiB Arbeitsspeicher und zwei Terabyte produktiven Daten. Es benötigt einen verschlüsselten Zugang vom Firmennetz, Monitoring, tägliche Sicherung auf einer getrennten Fehlerdomäne und zwei Restore-Übungen pro Jahr. Der Vergleich modelliert in allen drei Wegen nur einen produktiven Standort und kein automatisch übernehmendes Zweitsystem. Die Nutzungslast bleibt über fünf Jahre konstant; ein realer Lasttest muss die Größe ersetzen.
Die Geschäftsführung möchte höchstens einen Tag Datenverlust und möglichst binnen acht Stunden einen wieder nutzbaren Prozess. Das sind Prüfziele für Backup und Notfallplanung, keine erreichten oder zugesagten RPO-/RTO-Werte. Ein vollständiger Standortausfall kann unter dieser einfachen Architektur länger dauern. Wer eine feste Achtstunden-Zusage braucht, muss einen zweiten Wiederanlaufweg samt Kosten und Übung in allen Varianten ergänzen. Auch eine Hyperscaler-Region garantiert für sich allein keine anwendungsseitige Hochverfügbarkeit.
Wer trägt welche Betriebsaufgabe?
Im eigenen Serverraum verantwortet das Unternehmen die baulichen Bedingungen, Zutritt, Strom, Kühlung, Brand- und Wasserschutz, Netz, Hardware und Plattform. Housing verlagert Gebäude und vereinbarte Infrastruktur zum Rechenzentrumsbetreiber, lässt aber die eigene Serverhardware und viele Betriebsaufgaben beim Kunden. Für Tätigkeiten am Rack braucht es dann vertraglich geregelten Zutritt oder Remote Hands; ein pauschales Reaktionsversprechen ist damit nicht gegeben. Digital Realty beschreibt öffentlich Colocation-Standorte in Wien und Remote-Hands-Leistungen, doch Verfügbarkeit, Stromdichte, Netzanschluss und Servicezeiten sind je Angebot zu klären.
Beim Hyperscaler entfallen eigene Rack- und Hardwarearbeiten, aber nicht Konfiguration, Rechte, Schlüssel, Betrieb der virtuellen Systeme, Backup und fachliche Wiederherstellung. Die genaue Verantwortungsgrenze hängt vom Dienst ab: Eine gemietete VM verlangt mehr Eigenbetrieb als eine stärker verwaltete Plattform. AWS beschreibt dies ausdrücklich als geteilte Verantwortung. Für einen fairen Vergleich wird hier nur eine angenommene virtuelle Infrastruktur angesetzt; der Funktionsumfang eines konkreten Managed Service kann anders sein.
| Aufgabe | Eigener Raum | Housing in Österreich | Hyperscaler |
|---|---|---|---|
| Gebäude, Strom, Kühlung | Unternehmen | Betreiber laut Vertrag | Cloud-Anbieter für seine Infrastruktur |
| Hardware und Vor-Ort-Zugriff | Unternehmen | Kundenhardware; Zutritt/Remote Hands klären | Cloud-Anbieter für eigene Hardware |
| ERP, Zugriffe und Backup | Unternehmen bzw. beauftragte IT | Unternehmen bzw. beauftragte IT | Kunde nach gewähltem Cloud-Dienst |
| Fachliche Abnahme nach Restore | Fachbereich | Fachbereich | Fachbereich |
Österreichischer Datenstandort und Datenschutzvertrag
Ein physischer Standort in Österreich kann für Vertraulichkeit, kurze Wege, Kundenverträge oder Branchenvorgaben entscheidend sein. Für personenbezogene Daten sind jedoch zusätzlich Rollen, Auftragsverarbeitung, Unterauftragnehmer, technische Maßnahmen, Zugriffsorte und mögliche Drittlandtransfers zu prüfen. Der Europäische Datenschutzausschuss erläutert, dass Transfers außerhalb des EWR eigene Voraussetzungen nach Kapitel V der DSGVO haben. Ein österreichisches Rack macht eine Verarbeitung nicht automatisch datenschutzkonform; eine Cloud-Region im EWR ist nicht automatisch unzulässig. Die konkrete Datenfluss- und Vertragsprüfung gehört zum Projekt.
Im Angebot sollten produktive Daten, Sicherung, Logs, Administrationszugriffe und Supportwege einzeln mit Region und Verantwortlichen erfasst werden. Ein Migrations- oder Exit-Plan braucht außerdem Datenexportformat, Löschweg, Fristen und Test. Diese Punkte werden nicht durch eine Preiszahl ersetzt.
Eine offene Drei- und Fünfjahresrechnung
Für alle Wege gilt derselbe angenommene interne Vollkostensatz von 80 € je Stunde. Zwei jährliche Restore-Übungen zu je acht Stunden kosten in allen Varianten 1.280 € pro Jahr. Preise, Last und Löhne bleiben rechnerisch konstant; Steuern, Finanzierung, Restwert, Hardwareersatz nach Jahr fünf und Kosten eines zweiten Standorts sind nicht enthalten. Der eigene Raum erhält nur im Modell eine notwendige bauliche Ertüchtigung. Housing und Hyperscaler enthalten keine pauschale Verfügbarkeitszusage.
| Weg | Einmalig | Jährlich | 3 Jahre | 5 Jahre |
|---|---|---|---|---|
| Eigener Serverraum | 14.000 € Hardware + 9.000 € Raum + 40 × 80 € Migration = 26.200 € | Strom/Kühlung 4.200 € + Netz 1.800 € + Wartung 2.400 € + Backup 2.400 € + 8 h/Monat Betrieb 7.680 € + Übungen 1.280 € = 19.760 € | 85.480 € | 125.000 € |
| Housing in Österreich | 14.000 € Hardware + 1.800 € Einrichtung + 40 × 80 € Migration = 19.000 € | Platz/Strom 6.600 € + Netz 3.000 € + Remote-Hands-Budget 1.200 € + Wartung 2.400 € + Backup 2.400 € + 6 h/Monat Betrieb 5.760 € + Übungen 1.280 € = 22.640 € | 86.920 € | 132.200 € |
| Hyperscaler-Infrastruktur | 90 × 80 € Migration und Kontrollen = 7.200 € | Rechenleistung/Speicher 7.800 € + Netz/Transfer 2.400 € + Backup 3.000 € + Monitoring/Sicherheit 1.440 € + 5 h/Monat Betrieb 4.800 € + Übungen 1.280 € = 20.720 € | 69.360 € | 110.800 € |
Jede Summe folgt Einmalbetrag + Jahre × Jahresbetrag. Zum Beispiel kostet das angenommene Housing 19.000 + 5 × 22.640 = 132.200 €. Das Remote-Hands-Budget von 100 € pro Monat ist ausdrücklich keine zugesicherte Einsatz- oder Reaktionszeit. Beim Hyperscaler ist das monatliche Budget für Rechenleistung und Speicher eine Annahme von 650 € und kein aus einem Preiskatalog abgeleiteter Tarif. Egress, Backups, Netzwege und zusätzliche Regionen können die Rechnung stark verschieben.
Sensitivität: Steigen beim Hyperscaler Rechenleistung und Speicher um 250 € pro Monat, wachsen fünf Jahre um 15.000 € auf 125.800 €; damit läge der Modellwert knapp über dem eigenen Raum. Andererseits sinkt dessen Fünfjahreswert um 9.000 € auf 116.000 €, falls eine tatsächlich geeignete Rauminfrastruktur bereits vorhanden ist und keine neue Ertüchtigung anfällt. Werden dort zusätzlich nur sechs statt acht Betriebsstunden pro Monat benötigt, fällt der Modellwert um weitere 9.600 € auf 106.400 €. Diese Änderungen zeigen, warum ein pauschales „Cloud ist billiger“ oder „Housing ist sicherer“ aus der Tabelle nicht folgt. Verfügbarkeit und Wiederanlauf sind getrennt mit konkreten Verträgen und Übungen zu beurteilen.
Welche Fragen gehören in die Ausschreibung?
Für alle drei Wege sollten dieselben Lastwerte, Sicherungsziele und Prüfprotokolle verlangt werden. Der eigene Raum braucht Messwerte für Strom, Temperatur, Zutritt, Brand-/Wasserschutz und Leitungswege. Housing braucht ein Rack-/Strom-/Netzangebot, Zutrittsregel, Remote-Hands-Leistungsumfang und Ersatzteilweg. Beim Hyperscaler gehören Region je Dienst, Datenflüsse, Netz-/Egress-Kosten, Rollen, Backup und Exit-Test in die Kalkulation. Bei jedem Weg entscheidet am Ende der Fachbereich, ob der ERP-Geschäftsfall nach einer Störung wieder nutzbar ist.
DAXS kann die gemeinsame Lastaufnahme, Standort- und Vertragsmatrix sowie Restore- und Exit-Tests für ein konkretes Projekt zusammenstellen. Kontakt zu DAXS.
Quellen: EDPB: Internationale Datenübermittlungen · EDPB: Verantwortliche und Auftragsverarbeiter · AWS Well-Architected: Geteilte Verantwortung · Digital Realty: Colocation-Standorte in Wien · Digital Realty: Remote Hands.
